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Der erste digitale Eindruck: Was über Vertrauen entscheidet, bevor jemand weiterliest

Von Nicolas Konecny4 Minuten Lesezeit

Die Suche nach einer Ordination beginnt für viele Menschen online. Laut Statistik Austria informierten sich 2024 65 % der 16- bis 74-Jährigen online über Gesundheitsthemen, knapp 28 % vereinbarten Arzttermine online1. Auch Ältere sind zunehmend online: Unter den 65- bis 84-Jährigen stieg der Anteil der Internetnutzer von 69 % im Jahr 2023 auf 75 % im Jahr 20252.

Ob jemand auf Ihrer Website weiterliest, anruft oder zurück zur Suche geht, hängt stark davon ab, was auf der ersten Bildschirmseite steht.

Google beschreibt Vertrauenswürdigkeit als wichtigsten Aspekt bei der Bewertung von Inhalten. Bei Gesundheitsthemen legen die Systeme laut Google besonders großen Wert auf Signale der Zuverlässigkeit3.

Vier Fragen, die sofort beantwortet sein müssen

  1. Bin ich hier richtig? Fachrichtung, Name und Ort stehen im ersten sichtbaren Bereich. Ein Bild vom Wartezimmer mit dem Satz „Willkommen in unserer Ordination“ beantwortet diese Frage nicht.
  2. Erreiche ich die Ordination? Telefonnummer, Adresse und Öffnungszeiten sind ohne Scrollen oder Suchen zu finden, am Handy mit antippbarer Nummer.
  3. Ist die Seite aktuell? Ein Urlaubshinweis vom vergangenen Sommer oder Öffnungszeiten, die nicht mehr stimmen, wecken Zweifel, ob der Rest der Angaben stimmt.
  4. Wer steht dahinter? Ein Foto der Ärztin oder des Arztes, Ausbildung und Schwerpunkte. Google nennt die Frage, wer einen Inhalt erstellt hat, ausdrücklich als eine der Fragen, anhand derer sich Vertrauenswürdigkeit beurteilen lässt3.

Der nächste Schritt muss sichtbar sein

Wer die ersten Fragen beantwortet hat, sucht den Weg zum Termin. Wie dieser Weg aussieht, hängt vom Alter ab. Laut Statistik Austria vereinbarten 2024 unter den 25- bis 34-Jährigen 37 % Arzttermine online, unter den 65- bis 74-Jährigen 18 %1. Eine Website sollte deshalb beide Wege gleichwertig anbieten: die Telefonnummer mit Telefonzeiten und, falls vorhanden, eine Online-Terminbuchung oder ein Anfrageformular.

Steht der Kontakt nur ganz unten auf der Seite oder versteckt sich hinter einem Menüpunkt, geht dieser Schritt leicht verloren. Hilfreich ist ein Kontaktbereich, der von jeder Unterseite aus erreichbar ist.

Angaben, die überprüfbar sind

Vertrauen entsteht auch dadurch, dass Angaben mit anderen Quellen übereinstimmen.

  • Impressum. Nach § 5 E-Commerce-Gesetz müssen unter anderem Name, Anschrift und Kontaktmöglichkeiten sowie gegebenenfalls Aufsichtsbehörde und berufsrechtliche Angaben leicht erreichbar sein4. Ein vollständiges Impressum ist Pflicht und zeigt nebenbei, dass hinter der Seite eine reale Ordination steht.
  • Ärzteliste. Über die Arztsuche der Österreichischen Ärztekammer lässt sich nachsehen, wer zur Berufsausübung berechtigt ist5. Fachrichtung und Bezeichnungen auf Ihrer Website sollten mit diesem Eintrag übereinstimmen. Unwahre Angaben sind nach der Verordnung „Arzt und Öffentlichkeit“ ohnehin untersagt (§ 1 und § 2)6.
  • Google-Unternehmensprofil. Öffnungszeiten, Adresse und Telefonnummer sollten auf Website und Profil gleich lauten. Dasselbe gilt für das Schema-Markup für Ordinationen im Quelltext. Google empfiehlt, im Profil vollständige und aktuelle Informationen anzugeben, weil das die Relevanz für passende Suchanfragen verbessert7.

Ton und Bilder

  • Sachlich statt überschwänglich. „Modernste Methoden“ oder „die beste Betreuung der Stadt“ wirken beliebig und können gegen die Verordnung „Arzt und Öffentlichkeit“ verstoßen. Aufdringliche oder marktschreierische Selbstanpreisung beeinträchtigt nach § 2 Abs. 3 das Ansehen der Ärzteschaft6.
  • Konkret statt allgemein. Ein Satz wie „Wir nehmen uns Zeit für Sie“ steht auf vielen Websites. Aussagekräftiger ist, wie lange ein Erstgespräch dauert oder was beim ersten Termin mitzubringen ist.
  • Echte Fotos. Aufnahmen der eigenen Räume und des Teams zeigen, was Patientinnen und Patienten beim Besuch tatsächlich erwartet. Bilder mit Patientinnen und Patienten sind nur mit deren Zustimmung zulässig (§ 5 Abs. 4 der Verordnung)6.

Technik, die man spürt

Am Handy fällt besonders auf, wenn eine Seite langsam lädt oder sich der Inhalt während des Ladens verschiebt und man deshalb daneben tippt. Google nennt für die sogenannten Core Web Vitals konkrete Richtwerte für eine gute Nutzererfahrung8:

  • Largest Contentful Paint (LCP): Der größte Inhalt ist innerhalb von 2,5 Sekunden geladen.
  • Interaction to Next Paint (INP): Die Seite reagiert in weniger als 200 Millisekunden auf eine Eingabe.
  • Cumulative Layout Shift (CLS): Der Wert für Layoutverschiebungen liegt unter 0,1.

Laut Google fließen diese Werte auch in die Ranking-Systeme ein8. Wie Ihre Website abschneidet, zeigt der Bericht „Core Web Vitals“ in der Google Search Console. Aufbau, Tempo und Darstellung am Handy lassen sich auch in einem Praxiswebsite-Audit prüfen.

Kurzcheck: der Blick eines Fremden

Bitten Sie eine Person, die Ihre Ordination nicht kennt, Ihre Website am Handy zu öffnen, und stellen Sie danach diese Fragen:

  1. Welche Fachrichtung hat die Ordination, und wo ist sie?
  2. Wie lautet die Telefonnummer, und wann ist geöffnet?
  3. Wer behandelt dort?
  4. Wirkt irgendetwas veraltet?
  5. Ist beim Laden etwas gesprungen oder hat lange gedauert?
  6. Stimmen Adresse und Öffnungszeiten mit dem Google-Profil überein?
  7. Ist das Impressum vollständig und mit einem Klick erreichbar?

Jede Frage, die die Testperson nicht rasch beantworten kann, ist ein Punkt für die nächste Überarbeitung Ihrer Website.

Quellen

  1. Statistik Austria: Knapp zwei Drittel informieren sich online über Gesundheit, Pressemitteilung vom 24.10.2024.
  2. Statistik Austria: Internetnutzung der Altersgruppe 65+ steigt stark, Pressemitteilung vom 23.10.2025.
  3. Google Search Central: Hilfreiche, zuverlässige Inhalte erstellen, bei denen Nutzer an erster Stelle stehen.
  4. Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS): § 5 E-Commerce-Gesetz.
  5. Österreichische Ärztekammer: Arztsuche.
  6. Österreichische Ärztekammer: Verordnung „Arzt und Öffentlichkeit 2014“, konsolidierte Fassung.
  7. Google Unternehmensprofil-Hilfe: Tipps zur Verbesserung des lokalen Rankings bei Google.
  8. Google Search Central: Core Web Vitals und Google-Suchergebnisse, aktualisiert am 18.12.2025.

Über den Autor

Nicolas Konecny

Nicolas Konecny

Gründer von PubliciMed

Nicolas Konecny entwickelt mit PubliciMed Kommunikationsstrategien und Marketingsysteme für Arztpraxen und Gesundheitsunternehmen. Davor war er fünfzehn Jahre in Führungsrollen für digitale Kommunikation tätig, bei willhaben, Goldbach Media Austria und der C Wire AG in der Schweiz. Heute beschäftigt ihn vor allem, wie KI Teil der eigentlichen Arbeit wird. Er unterrichtet an der WU Wien und am MCI Innsbruck.